Seit ein paar Wochen steht es fest: Griechenland ist als erstes europäisches Land von der Staatspleite bedroht. Die Finanzkrise hat also noch lange nicht ihr Ende erreicht, doch dass sie in Europa so hart zuschlagen würde, hatte niemand erwartet, waren doch Länder wie Island und Dubai nicht unmittelbar vor der Haustür.
Um so größer ist der Schock nach den jüngsten Meldungen, dass die Kreditwürdigkeit eines der beliebtesten Urlaubsländer Europas rapide herab sinken konnte, die Ratinagentur Fitch stufte das Land von einem A- Wert auf einen sehr niedrigen BBB+ Wert ab. Seit dieser Meldung befinden sich die Finanzmärkte in Aufruhr und die Börse dotiert neue Tiefmeldungen. Es wird nach Gründen gesucht und mit Schrecken muss Deutschland feststellen, dass es eine mögliche Mitschuld an der Pleite Griechenlands trägt.
Deutschland hat im eigenen Interesse gehandelt und so ein Ungleichgewicht in der Eurozone herbeigeführt. Dass die Konsequenzen der „Nicht-Lohnerhöhungspolitik“ sich dabei bis nach Griechenland auswirken können, hatte sicherlich niemand dabei gedacht. Doch Heiner Flassbeck, Chefökonom der Vereinten Nationen für Handel und Wirtschaft, sieht genau dort das Problem. Indem Deutschland sich weigere Euro-Anleihen anzunehmen und sich dagegen wehre, die Löhne anzuheben, sei ein „internes Ungleichgewicht“ entstanden. Lohnstückkosten und Löhne stünden nicht mehr im Gleichgewicht. So konnten viele Deutsche nicht am Boom teilnehmen, da die Lohnstückkosten innerhalb von zehn Jahren nicht mehr angestigen sind. Daraus so folgert Flassbeck, wird die Kluft zwischen armen und reichen Bürgern immer größer und führt zu einem Stagnieren auf dem Binnenmarktes, während der Export aufgrund geringer Kosten floriert. Doch dadurch, dass Deutschland neuer Exportweltmeister ist, haben andere Länder mit Staatsdefitziten zu kämpfen. Um die Wirtschaft anzukurbeln, stiegen in Griechenland die Lohnstückkosten um 25 Prozent, während sie in Deutschland bei gleicher Währung stagnierten. Diese extremen Normabweichungen wirken sich jetzt auf die Staatsfinanzen aus und Flassbeck fordert eine Angleichung dieser finanziellen Situation und fordert, dass Deutschland europäische Anleihen annehmen solle und im Laufe der nächsten zehn Jahre die Löhne erhöhe und somit keine Neuverschuldung der anderen Staaten fördere.